![]() |
|||||
Wer sich für russiche/sowjetische Eisbrecher interessiert, kam lange Jahre nur schwierig an Informationen. Gute Bilder und vor allem technische Daten blieben hinter dem eisernen Vorhang. Die Erfahrung von fast 90 Jahren polaren Eisbrecherwesens wurden als Staatsgeheimnis behandelt. Inzwischen ist der Vorhang gefallen und Informationen haben sich auch in den westlichlichen Teil der Welt verirrt. Wer jedoch einen echten russischen Polareisbrecher zu Gesicht bekommen will, müßte sich schon nach Murmansk begeben, dem Hauptstützpunkt der russischen Eisbrecherflotte, an der westlichen Einfahrt des Nördlichen Seeweges (NSR =Northern Sea Route), dem Aus-gangspunkt vieler Expeditionen und Fahrten zum Nordpol. Bis zu diesem Ort in der Kola-Bucht, an der Barents-See, sind es jedoch ein paar Tausend Kilometer von Frankfurt/M. aus und die Temperaturen liegen oft zweistellig unter Null. Im November 2004 jedoch, gab es die Möglichkeit ohne Fernreise, ohne Sondererlaubnis und bei Temperaturen von + 8°C, zwei Vertreter dieser Spitzen-Klasse in St.Petersburg zu fotografieren. Dorthin gelangt man nach 2,5 Stunden Flug und für wenig Geld.
An der Newa, der maritimen Lebensader St. Petersburgs, liegt der berühmte Dampfeisbrecher KRASSIN, der heute ein Museum ist und zur Zeit neu gestrichen wird, inkl. vorheriger Sandstrahlung. Im Bauch befindet sich noch eine der wohl derzeit größten, funktionsfähigen, deutschen 3fach-Expansionsdampfmaschinen. Das Ottensener Eisenwerk aus Hamburg-Altona war 1957 Lieferant, als der Eisbrecher in Wismar komplett umgebaut wurde. Geboren ist der KRASSIN im Kopf des sowjetischen Admirals Stephan O. Makarow, der Eisbrecher verwirklichen wollte, die den Nordpol erreichen, zumindest aber sich im nördlichen Eismeer von der Eisumklammerung lösen und frei navigieren können. (zur Erklärung: Über dem Nordpol befindet sich kein Land/Kontinent, wie am Südpol, sondern eine schwimmende Eisdecke. Pinguine gibt es auch keine, aber Eisbären und Eisbrecher ;-)
![]() |
![]() |
![]() |
|
| ursprünglicher Zustand | nach dem Umbau 1958 | im November 2004 | Typenschild Dampfmaschine |
Die ehem. Sowjetunion ist das einzige Land der Welt, das Atomeisbrecher entwickelt hat und betreibt. Die Schiffe des Typs ARKTIKA sind die stärksten Eisbrecher der Welt. Wenngleich die Rumpfform nicht mehr dem Stand der Technik entspricht, hat sich das Prinzip "Kraft ohne Ende und mit dem Kopf durch die Wand" seit Jahrzehnten bewährt. Es muss jedoch erwähnt werden, dass manche Staaten in den "schwimmenden Atomkraftwerken" eine Gefahr für ihren Küstengewässer und den arktischen Ozean sehen. Hatte ein LENIN noch drei Reaktoren (einer als Reserve), hielten in der 2. Generation nur zwei Reaktoren Einzug; in der Dritten werkelt nur ein Reaktor, da diese Schiffe keine Polareisbrecher sind.
Leider gibt es in deutsch bisher nur drei Bücher, die sich mehr oder weniger mit sowj./russ. Eisbrechern befassen. Alle anderen Informationen sind meist nur aus Fachartikeln (Soviet Shipping; Sudostroenije; Gangut; …) in russischer Sprache zu beziehen, oder über das InterNet.
Gerade in älteren westlichen Quellen stehen immer wieder falsche Informationen, da der „eiserne Vorhang“ lange Jahre vieles
zurückgehalten hat. Man war dann auf Spekulationen und Mutmaßungen angewiesen, die sich heute schlichtweg als falsch
herausgestellt haben.
(Bsp.: KRASSIN wurde 1958 nicht auf Dieselmotoren umgerüstet, sondern auf Ölfeuerung. Der Dampfantrieb wurde beibehalten!)
| Eisbrecher aus aller Welt | Bernd Oesterle [Das beste Buch; leider nur noch über Antiquariate oder Internetauktionshäuser] 1988 Bibliothek der Schiffstypen, bebildert mit Zeichnungen, S. 160 |
| Eisbrecher im Original und Modell | Klaus Buldt; ISBN: 3-7883-1118-5 [allgemeiner Teil und speziell: Eisbrecher im Modellbau] NECKAR-VERLAG 1994 ; kartoniert/broschiert, mit. zahlr. Abb., S. 136 |
| Dampfeisbrecher Stettin
und die Eisbrecher der Welt |
Hans G.Prager, Christian Ostersehlte [evtl. auch nur noch über Antiquariat] Hamburg, Prager Bücher, 1987. Paperback, Fotoblock, S. 352 |
![]() |
![]() |
![]() |
| www.bellnoa.no | Umweltschützer Norwegen; beobachten das Atom-Geschehen in Murmansk (viele Infos über Atomeisbrecher) |
| www.bz.ru | Baltisiky Zavod = Baltische Werft; Geburtsort vieler Atomeisbrecher |
| www.krasin.org | Seite über das Museumsschiff KRASSIN [in der buchstabengetreuen Übersetzung hat KRASSIN nur ein S] |
| www.masa-yards.fi | Nachfolgeorganisation der ehem. Wärtsilä-Werften in Finnland; bauten u.a. die Atom-Flachwassereisbrecher |
Nur 14 Tage nach dem Foto oben brach ein Brand aus an Bord des 50 LET POBEDY. Die Meldung erreichte die Petersburger Feuerwehr am 30.11.2004 um 8.51 Uhr. Es wird vermutet, daß durch Unvorsichtigkeit bei Schweißarbeiten Baumaterial auf einer Fläche von 50 bis 100 Quadratmeter in Brand geraten war. Nach etwa zwei Stunden war das Feuer unter Kontrolle. Nach Auskunft der Werft war auf dem Schiff kein atomarer Brennstoff.
...weiter: Teil 2 - November 2005
Für den Inhalt aller aufgeführten Links wird keinerlei Verantwortung übernommen. Bezugnehmend auf das Urteil des Hamburger LG vom 12.5.1998 muß ich mich ausdrücklich von den Inhalten der Links distanzieren. Dies gilt für alle hier aufgeführte Links.
Die Urheberrechte der hier gezeigten Bilder liegen, wenn nicht anders genannt, bei Peter Frieß. Für folgende
Bilder bei:
1_ARKTIKA_©owalston; 2_ROSSIJA_©psw; 3_ SIBIR_©su_5_88; 4_SOVIETSKY_SOJUS_©psw; 5_JAMAL_©poseidon; 6_50LETPOBEDY_1998_©boesterle;
2_VAIGACH_©wärtsilä