AQIPI ITTUK

eisgehender Öl-Produktetanker

Der Wunsch nach einem Frachtschiff schlummerte wohl schon länger in mir. Es kam jedoch nie zur Realisierung, weil erstens Frachtschiffe nicht wirklich zu meinem Hauptinteressengebiet zählen, und zweitens Frachtschiff-Modelle immer den unangenehmen Nebeneffekt einer halbwegs untransportablen Größe mit sich bringen. Im August 2002 war es jedoch soweit. Auf einem Schaufahren entdeckte ich einen Tanker der mich sofort ansprach. Mit seinem aufälligen roten Rumpf zog er mich sofort in seinen Bann. Das Modell wirkte sehr wuchtig und war mit 1,49 m bei einem Maßstab von 1:30 eigentlich gar nicht groß.
Seitlich am Modell fand ich damals einen Zettel der darauf hinwies, das das Modell zu verkaufen sei. Ich nahm vorerst allerdings Abstand von einem Kauf, weil der Preis doch sehr hoch war und das Modell keinen reellen Gegenwert versprach. Ein paar Monate später kam es wieder zu einem Kontakt mit dem Verkäufer, der das Modell nun zu einem wesentlich günstigeren Kurs offerierte. Die letzten Details waren schnell besprochen und so wechselte die AQIPI ITTUK im April 2003 den Besitzer.

Das Logbuch der AQIPI ITTUK

Montag 02. 04. 2003 (Ostern)
Abholung des "fertigen" Modells aus Frankreich. Abfahrt um ca. 8:00 Uhr nach Strasbourg; Rückkehr um ca. 19:00 Uhr.

Dienstag 03. 04. 2003
Erste Testfahrt im Yachthafen Herne.

Testfahrt der AQIPI ITTUK

Bergung nach Kupplungsschaden

Nach der ersten leichten Nervosität stellt sich Zufriedenheit ein - hält leider nicht lange an. Das Schiff macht keine Fahrt mehr.
Nach der Bergung die Diagnose: Die Kupplung dreht frei auf der Welle. Und es ist trotz spiegelglatter Wasseroberfläche ein erheblicher Wassereinbruch zu beklagen.

Mittwoch 04. 04. 2003
Suche nach dem Leck. Kann keine Stelle finden an der das Wasser eindrungen sein könnte. Beginn der Renovierungsarbeiten an den Aufbauten.

Samstag 07. 04. 2003
Zweite Probefahrt. Wieder Wassereinbruch. Wasser scheint unter dem Laufsteg seitlich des Cargodecks einzudringen. Verdacht bestätigt sich.
Rote Farbspuren auf dem Kofferraumteppich gefunden. Der Lack scheint sich durch das Ein- und Ausladen auf dem Teppich abzureiben.

Sonntag 08. 04. 2003
Beim Versuch das Leck am Cargodeck auszubessern reißt ein Teil des Decks auf. 1 Stunde Pause und bis 10 zählen... Bei weiteren Reparaturen treten immer mehr unverhältnismäßig große Schäden auf. Das Schiff scheint in seine Bestandteile zu zerfallen!

Dienstag 10. 04. 2003
Erste Versuche einen Wartungsschacht für das Bugstrahlruder einzubauen, sowie Raum für eine Ankerwindenmechanik zu schaffen. Beides scheint nicht möglich, da die Hohlräume zwischen Spant 0 bis 3 vergossen sind. Die Resonanz der Klopfgeräusche läßt mich aber das Gegenteil glauben. Eine Bohrmaschine mit einem 12er Holzbohrer soll Gewißheit bringen. Alle Zwischenräume sind hohl! Im Bugsteven soll ein Edelstahlprofil eingebaut sein, um bei Eiskontakt erhöhte Stabilität zu gewährleisten. Die Bohrmaschine mit dem 12er Holzbohrer wird Gewissheit bringen! Kein Stahl - ein Viertelstab aus Holz. Sch**** !!

Mittwoch 11. 04. 2003
Der Rumpf soll mit drei Lagen GfK überzogen sein - ob's stimmt!?! Ein Schwingschleifer wird Gewißheit bringen! Kein GfK. Unter dem Lack kommt zum Teil das blanke Holz zum Vorschein.

Donnerstag 12. 04. 2003
Rufe den Verkäufer an und konfrontiere ihn mit den Mängeln. Will nichts davon wissen und will mich abwimmeln.

Freitag 13. 04. 2003
Rufe den Verkäufer an und konfrontiere ihn mit den Mängeln. Will nichts davon wissen und will mich abwimmeln.

Samstag 14. 04. 2003
Rufe den Verkäufer an und konfrontiere ihn mit den Mängeln. Will nichts davon wissen und will mich abwimmeln.

Sonntag 15. 04. 2003
Hass!!!

Montag 23. 04. 2003
Überlege das "Modell"* mit zur Arbeit zu nehmen und mit der Kettensäge zu zerlegen.

* Das Wort Modell ist in diesem Zusammenhang eher eine Beleidigung für alle anderen Modelle!

Zeitraum Mai 2003 bis April 2004
Diesen Zeitraum habe ich nicht spezifisch festgehalten. Zu viel Ärger und Stress mit diesem Modell, bzw. seinem vorherigen "Erbauer" ließen mich kein Interesse verspüren Ereignisse im einzelnen festzuhalten.

Im Laufe des frühen Sommers 2003 habe ich das demontierte Modell dem MSK St. Peter als Vorführmodell für Explosionen im Ölhafen angeboten. Ein Grundlegendes Interesse war erkennbar, jedoch nicht zu diesem Zeitpunkt.

Jedes Mal wenn ich den Keller betrat und mich mit dem Modell konfrontiert sah, überlegte ich: Was machst Du bloß mit diesem Ding.
Irgendwann kam mir dann die Idee, das Modell hochseetauglich umzubauen um damit an der Hochseefahrt in Flensburg teilzunehmen.

Dem Neuaufbau gingen gründliche Vermessungsarbeiten am Modell voraus, um weitere nachträgliche Überraschungen auszuschließen. Ich baute mir einen Vermessungsstand aus Dachlatten und began mit der Vermessung. In dem Moment dachte ich mir: "Hättest Du es besser gelassen!"
Wenn man mal außer acht läßt, das der Rumpf nach entfernen der schon "fertigen Oberfläche" eher aussah wie eine Mondlandschaft, so war das Ergebnis der Vermessung der Hammer schlechthin. Der Rumpf war schief - aber richtig schief! Die Auflage für das Cargodeck war an der Steuerbordseite etwa 2 cm höher als an Backbord. Die Schiffsaußenwand des Achterdecks lief an Backbord etwa 1 bis 1,5 cm zur Schiffsmitte. Ließ sich die Schieflage des Cargodecks noch mit einer Stichsäge und einer großen Schrubfeile mit einer Wasserwaage darauf korrigieren, so bedurfte es zur Korrektur der Schiffaußenwand eines etwas größeren Kalibers. In Anbetracht der nicht ganz unerheblichen benötigten Menge Spachtelmasse begab ich mich zum Trödelmarkt um dort erstmal groß einzukaufen.
Den Weg in den Einkaufsbeutel fanden :

8 Kg Spachtelmasse
1 Spachtelset
diverse Pinsel
2 Kg Polyestherharz
sowie 10 qm Gewebe

Die Verarbeitung der Spachtelmasse inklusive der Schleifarbeiten nahmen etwa eine Woche in Anspruch. Dabei wurden 7,5 Kg Spachtelmasse verarbeitet. Sieben von den 10 gekauften Quadratmeten Gewebe fanden den Weg in vier Lagen auf den Rumpf. Nach Abschluß der Laminier- und Schleifarbeiten entfernte ich mit Hilfe einer Flex und einem Fäustel alle noch vorhandenen baulichen Altlasten meines Vorgängers.

Da der Rumpf im Inneren von meinem Vorgänger mit Polyesther behandelt wurde, entschloß ich mich (ausnahmsweise) dieses fortzuführen. Somit fand bis jetzt ca. 1 Kg Harz ein neues zu Hause. Der größte Teil des Harzes wurde zum Eingießen des Bugstrahlruders sowie zum Vergießen von Hohlräumen gebraucht.

Die Aufbauten entstanden aus doppelseitig kupferkaschierter Epoxyplatte. Da keine alten Teile zu gebrauchen waren, wurde von nun an alles neu erstellt. Das Deck hat nun eine Stärke von drei Millimetern und die Aufbauten in den nicht stark belasteten Regionen eine Stärke von einem Millimeter.

Auf der Intermodellbau 2004 stellte ich das werdende Modell erstmals der großen Öffentlichkeit vor. Das Interesse an dem zu dem Zeitpunkt noch recht unspektakulären Modell war überraschend groß.

AQIPI ITTUK auf der InterModellbau 2004

Juni 2004 (Samstag)
Es wehte ein mäßiger Wind. Erster Langstreckentestlauf bei andauerndem Gegenwind. Fahrverhalten ist deutlich verändert. Modell beschleunigt merklich langsamer als normal. Fahrverhalten in den Wellen ist in Ordnung. Keine Auffälligkeiten zu beobachten.

Juni 2004 (Sonntag)
Wind hat zum Vortag weiter zugelegt. Wellen jetzt bis max. 20 cm Höhe. Modell braucht auffällig lange um auf Rumpfgeschwindigkeit zu kommen. Beginnt bei höheren, auch einzelnen Wellen sofort zu stampfen. Das Rollverhalten bei Kurvenfahrt nimmt fast bedrohliche Ausmaße an. Wellen schlagen jetzt schon auf´s Cargodeck. Trete die Rückfahrt ins Hafenbecken an, da vermutlich sehr viel Wasser eingedrungen ist. Bei der letzten Wendung ins Hafenbecken rollt das Schiff sehr stark und nimmt bedrohlich viel Wasser. Mache mir ernsthafte Gedanken über den Fortbestand. Lenze ca. 5 Liter Wasser bei der ersten Möglichkeit aus dem Modell. Das restliche Wasser lenze ich am Steg im Yachthafen.

September 2004 (Sonntag)
Sehr starker Wind. Wellen laufen heute bis in den Yachthafen. Maximale Wellenhöhe bis ca. 30 cm. Modell stampft sehr stark. Schlechte Beschleunigungswerte. Fahre in große Welle - Modell steigt sofort ein. Bugstrahler komplett sichtbar. Laufe auf zwei große Wellen zu. Modell steigt in erste Welle ein - Wasser (keine Gischt) schlägt auf`s Brückendach. Bugstrahler wieder komplett sichtbar. Motor steht auf AK. Bug fällt in zweite Welle. Modell kommt aus voller Fahrt sofort zum stehen! Nimmt wieder sehr viel Wasser.
Ergebnis: Zu wenig Antriebsleistung.

20. 11. 2004
Erste Eisfahrt mit der AQIPI ITTUK. Da das Bugstrahlruder ausgefallen ist, hab ich Probleme das Schiff zu manövrieren. Habe die Befürchtung, das es selbst mit Bugstrahlruder nicht möglich wäre abzulegen und Fahrt aufzunehmen. Fahrt durch den Eisbrei (Scherbenhaufen wäre ein besseres Wort) gestaltet sich schwierig. Das Schiff braucht aufgrund des ständigen Widerstandes durch Eisteile sehr lange um auf Rumpfgeschwindigkeit zu kommen. Wenn ich nicht eine Rinne mit möglichst wenig Eis nehme, hat das Schiff nicht genug Schwung bis zur nächsten festen Eiskante. Ein durchbrechen des Eises ist dann so gut wie ausgeschlossen. Da der Bugsteven sehr steil ist, schiebt sich das Schiff so gut wie nie auf das Eis. Es fehlt definitv erheblich mehr Antriebsleistung.

AQIPI ITTUK im Eis

Eisbrei bzw. Scherbenhaufen

Der Bug ist drauf, nichts geht mehr.

Wenn ich es schaffe das Schiff mit dem Bug auf das Eis zu bekommen, ist meistens nach 10 - 20 cm Schluß mit eisbrechen, da wieder die Leistung fehlt das Schiff in dieser Stellung vorran zu treiben. Sonstige Mängel oder gar Schäden durch den ständigen Eiskontakt sind aber nicht feststellbar. Folge nun nur noch der ALE durchs Eis. Nach ca. 200 m muß ich zurücksetzen. Dabei kommt es zum Kontakt mit der geschlossenen Eisdecke. Das Ruder fällt aus. Nach der Bergung wird die AQIPI ITTUK von der ALE zur Startstelle geschleppt. Nach der Demontage des Rudergestänges stelle ich fest, das es das Gewinde im Stellring nicht mehr gibt. Es ist, als wäre dort nie ein Gewinde gewesen - dort ist nur noch eine Bohrung. Eine Stoßbelastung von ca. 27 Kg sind offensichtlich zuviel für ein Rudergestänge. Nächste Planungstufe: Rudergestänge massiver ausführen.

Der Havarist am Haken.

Freitag 15. 04. 2005
Testfahrt mit neuem Fahrtregler und jetzt 24 V Fahrspannung auf dem Vorführbecken der Intermodellbau. Kraftreserven sind nun genügen vorhanden. Bei Dauer-AK wäre jedoch der Motor etwas überlastet.

Klarmachen früh morgens am Messebecken.

Jetzt hat's genug Schub!

Sonntag 24. 04. 2005
Ausgiebige Fahrtest`s auf neuer Fahrspannung. Motor wird zu meinem Überraschen nicht so warm wie noch auf der Intermodellbau angenommen. Große Wellen von entgegenkommenden Modellen zerschlagen am Bug. Wasser spritzt dabei etwa dreißig Zentimeter hoch. Beende die Fahrt nach ca. 3,5 Std. Akkus zeigen noch keine Ermüdungserscheinungen trotz Winterpause. Alles im grünen Bereich.

...to be continued!

JS